Hände, die sehen

Text: Matilda Kivelä. Fotografie: Bryan Saragosa.

Wir besuchen die Iittala-Fabrik mit einem der besten Glasbläser Finnlands, Heikki Punkari, der in der Fabrik aufgewachsen ist und mit Leuten wie Timo Sarpaneva zusammengearbeitet hat, um die Magie von geschmolzenem Glases zu entdecken und zu erfahren, wie man ein Meister dieses Handwerks wird.

Das Fabriktor ist geöffnet, Schneeflocken fallen auf den Betonboden. Die Schmelzöfen stoßen unermüdlich geschmolzenes Glas aus, das so aussieht wie Lava.

Die Temperatur steigt, als wir die Glasbläserplattform der Fabrik erreichen, aber als ich es erwähne, stößt Heikki Punkari, einer der besten Glasbläser Finnlands, ein tiefes Lachen aus. "Oh nein, das ist nicht mehr heiß. Sie hätten in den 1960er Jahren hier sein sollen!" Wir machen einen Spaziergang entlang der Glasbläserplattform und vermeiden die glutroten Kugeln aus geschmolzenem Glas. Glasherstellung ist ein stiller Prozess, eine ausgeklügelte Choreographie, die von Männern und Frauen in Jogginghosen und T-Shirts durchgeführt wird und deren Stirnen mit Schweißtropfen bedeckt sind. Sie greifen schweigend tief in das Innere der Schmelzöfen, um mit ihren Stabspitzen eine kleine Menge glühender Masse zu entnehmen. Die Gebläse zähmen die offenen Feuer, damit sie mit ihnen, und nicht gegen sie, arbeiten. Die Gefahr dieser Tätigkeit gibt den Ton für die Show vor und wenn man nicht aufmerksam ist, verpasst man die behutsame Choreographie, die sich dahinter verbirgt. Jeder Augenblick wirkt vollständig natürlich und auf die Sekunde genau abgestimmt. Sobald ein Glasstab vorbei schwingt, folgt der nächste. Erfahrene Glasbläser bei der Arbeit zu beobachten, hat etwas Hypnotisierendes. Die Biegsamkeit des Materials sorgt dafür, dass es wie ein weicher und flexibler Kunststoff aussieht. In den Formen läuft es wild auseinander, bevor es geblasen und in seine endgültige Form gepresst wird.

Hier wird jede Aalto-Vase mit Hand und Mund nach den Originalzeichnungen geformt. Einige Meter entfernt werden zarte Glasvögel hergestellt, ursprünglich von Oiva Toikka entworfen, deren Köpfe von zwei Glasbläsern behutsam an ihre Körper angebracht werden. Die Aufgaben wechseln, aber jedes Objekt erhält die gleiche Sorgfalt und Aufmerksamkeit.

Heikki fühlt sich hier wie zu Hause. Seine Karriere in der Iittala-Fabrik begann, als er einen Ferienjob annahm und den Rasen der Fabrik mähte. Tatsächlich hat seine Familie eine lange Beziehung zum Unternehmen - seine Großmutter arbeitete in der Verpackungsabteilung und sein Vater Kosti war einer der angesehensten Glasbläser der Fabrik - und Heikki besuchte die Fabrik schon, bevor er sich erinnern konnte. Er erzählt, dass ihn Glas schon immer verzaubert hat. Auf die Frage, was das Beste an dem Material ist, denkt er einige Zeit nach und antwortet dann mit einem einfachen, aber allumfassenden "Alles." Während seiner fast fünfzig Jahre in der Fabrik hat er deren Blütezeit erlebt, Tag und Nacht mit Timo Sarpaneva experimentiert und die Veränderungen in der Branche und im Handwerk gesehen. Manche Dinge ändern sich aber nicht. "Die Gespräche im Umkleideraum drehen sich immer noch um Eishockey und Herzensangelegenheiten", er lacht scheu und wechselt schnell das Thema.

Eine Form der Kunstfertigkeit, die sich im Rahmen der industriellen Produktion bewegt und die Glasbläser zwischen Kreativität und Technik wechseln sieht. Und obwohl Glasbläser oft als Handwerker wahrgenommen werden und nicht als Künstler, wird in der Iittala-Fabrik das künstlerische Experimentieren gefördert und unterstützt. Jeder Glasbläser hat die Möglichkeit, nach Feierabend an seinen eigenen Kunstwerken zu arbeiten und die werkseigenen, endlos dampfenden Schmelzöfen zu benutzen. Das ist, so Heikki, der einzige Weg, um sicherzustellen, dass die Glasbläser ihre Fähigkeiten stetig verbessern und ihre Liebe zum Glas beibehalten. Für ihn ist wichtig, dass sich ihre beruflichen Fähigkeiten immer wieder neu erfinden - und dafür brauchen sie die Freiheit, mit ihren Händen zu experimentieren. Obwohl die Glasbläser nach detaillierten Anweisungen und Zeichnungen der Designer arbeiten, trägt jedes Objekt die persönliche Note jedes Mitarbeiters. Die Hände mit den scharfsichtigsten visuellen Sinnen erzeugen einzigartige Glasarbeiten. Laut Heikki hat jeder Glasbläser einen scharfen Blick für die unbeständigen Glasarten - und Hände, die sehen.